Für Ilia
Editiert von Nicolas Puffer und Lukas Krois
Vorwort: Einige Hügel von Kisszékely sind mit dem Hundszahngras (Cynodon dactylon) bedeckt. In der wortwörtlichen Übersetzung heißt es Sternengras oder Sternenrasen. Für das Hundszahngras gab es auch noch weitere Trivialnamen, sowohl auf Ungarisch als auch auf Deutsch. So bekam der Protagonist dieser Geschichte seinen Namen: Zsürke oder Kriechender Hennich (Mittel- und Süddeutschland)
((Und nach dem ersten Kapitel wurde die arme Autorin auf ihre Ohren reduziert, so kam die folgende Geschichte zu Stande.))
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(c) Szántói Krisztián |
Es dämmerte auf der Hügelkuppe, der Wald versank langsam in Dunkelheit und nur durch das Licht des Lagerfeuers warfen die Bäume lange Schatten. Eine sanfte Brise wog die Vögel in den Baukronen in den Schlaf. Die langsam abkühlende Luft belebte das Heer, das vom Marschieren und vom Aufbauen des Lagers erschöpft war.
Im Lager der Landsknechte stocherte ein blonder Junge mit einem Stock in der Glut. Unser Hennich wurde größer, seine blonden Haare waren länger geworden, sein Gesicht wurde schmaler, aber seine Bewegungen waren immer noch lebhaft und leicht. Ihm machte die Knappenarbeit nichts aus. Wenn jemand genau hingeschaut hätte, hätte er erkennen können, dass Hennich Buchstaben in die Asche zeichnete. Nicht weit von ihm saß ein rundgesichtiger Landsknecht in Rot und Grün. Er sah wie eine Erdbeere aus und hatte daher den Namen ,,Erbeerknecht‘‘. Er war kaum älter als Hennich und schrieb mit verträumter Miene in einem Buch.
Nur wenige Menschen im Lager konnten lesen und schreiben, und noch weniger waren in der Lage, ihr Wissen weiterzugeben, und so war Hennich sehr froh, dass der Erdbeerknecht ihm erlaubt hatte, ihn zu begleiten und ihm sogar das Lesen und Schreiben beizubringen.
Der kleine Junge konnte sich allerdings nicht beklagen, denn nachdem er aus seinem Dorf weggelaufen war, wo er ohnehin keine Verwandten hatte, fand er bald die Landsknechte, die ihn trotz ihrer üblichen Gewohnheit aufnahmen und sich mit besonderer Sorgfalt um ihn kümmerten, als wäre er ein Glücksbringer. Für den oberflächlichen Betrachter mag Hennich sogar verwöhnt ausgesehen haben, aber er tat genau so viel wie seine martialischen Freunde und seine kleinen Füße bewegten sich oft doppelt so viel, so dass es kein Wunder war, dass er manchmal auf einen Wagen beim Tross geworfen und von dem Rotschopf oder dem Riesen an der nächsten Station abgeholt wurde.
Es geschah nie etwas Böses, denn der Ruf des Hauptmanns von Fähnlein sorgte dafür, dass sich kein Mensch mit ihm anlegen wollte. Im Gegenzug überbrachte Hennich fleißig die Nachrichten, da er bei seinen Schlendereien im Lager Augen und Ohren offen und den Mund geschlossen hielt.
Abends erzählte er, was er gesehen und gehört hatte, wer was tun würde, und so kam es, dass die Landsknechte über alles rechtzeitig informiert waren und der Hauptmann, der sein grün-rotes Gewand gegen das vornehmere blaue getauscht hatte, dem Erdbeerknecht den Befehl erteilte, dem kleinen Jungen so schnell wie möglich Lesen und Schreiben beizubringen, da er wusste, dass die schäbig gekleideten Kinder im Tross, die sich in den Zelten herumtrieben, leicht für einen Obulus oder ein Stück Brot als Kuriere im Lager gewonnen werden konnten und dass die Offiziere wichtige Briefe oft nicht einmal mit einem Stempel versahen.